Liebe bis in die Spitzen

Liebe bis in die Spitzen

Hmmm, ja,… doch… da ist was passiert. Einfach so, letzte Nacht, ohne dass ich was gemerkt hätte. Und dann auch noch nach so einem Abend! Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Man müsste ja meinen, das piekst oder ziept irgendwie, aber nein, nichts. Und doch, ich fühle mich verändert. Irgendwie dem Ziel näher – zumindest etwas. Aber wie predigte meine Oma noch immer: „Ruhig Blut, gut Ding will Weile haben.“ Das hätte sie mir nicht zweimal sagen müssen, davon kann ich ein Lied singen. Aber ich bin nun mal der spontane, impulsive Typ und damit kann nicht immer jeder umgehen (nicht mal ich selbst so wirklich immer). Und außerdem war es ja auch nicht allein meine Schuld, dass es dann so schlimm gekommen ist.

Nach einer so langjährigen Beziehung möchte man ja meinen, dass gewisse Dinge nicht mehr vorkommen, dass der andere einen kennt, man ihm vertrauen kann und zumindest nicht so mir nichts dir nichts enttäuscht wird. Ich sah immer so toll aus, wenn ich mit ihm zusammen war. Bis zu jenem grausamen Samstag, an dem er mich meines ganzen Stolzes beraubte. Ich war geschockt und musste mich nach dieser schmerzlichen, unvorbereiteten Trennung erst einmal erholen (ausheulen!). Ganze drei Tage setzte ich keinen Fuß vor die Tür – und habe nur dank den Ben&Jerry’s-­‐Vorräten, meiner besten Freundin und einer dicken Mütze, die mein halbes Gesicht verdeckte, überlebt.

Nicht, dass ich mich jemals ganz von diesem Trauma erholt hätte – so ganz ohne zu sein, mit gebrochenem Herzen, das war mir das letzte Mal als Teenager passiert! Doch wenn ich mich jetzt so anschaue, hat sich seit gestern einiges getan. Da konnte ich das Ganze nämlich noch nicht so richtig fassen, hatte es längst nicht so gut im Griff. Doch jetzt, mit erhobenem Kopf und stolzgeschwellter Brust, und so mit der Hand nach oben-­‐hinten Richtung Rücken, berühre ich sie doch tatsächlich: meine Haarspitzen! Sie wachsen also wirklich allmählich nach und lassen mich endlich wieder ruhig schlafen. Mit dem Friseur, diesem Verräter, habe ich allerdings Schluss gemacht, schnipp-­‐schnapp! ;)

 

Autorin: Sabrina Sylvester

 

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